Umfeldsteuerung für Menschen mit motorischen Einschränkungen
Mit einer Umfeldbedienung, auch Umfeldsteuerung oder Umfeldkontrolle genannt, kann ein motorisch eingeschränkter Mensch selbständig
elektrische Geräte wie Lampen, Türöffner, Rolläden, Fensteröffner, Radio- und Fernsehgeräte, Telefon, Funkruf-Systeme, Steckdosen bis hin zum Pflegebett oder einem Seitenwendegerät im Wohnumfeld oder Arbeitsumfeld bedienen.
Mit eine Umfeldsteuerung kann also Selbstbestimmung wiedergewonnen und Pflegepersonal und persönliche Assistenzpersonen entlastet werden.
Häufig werden Umfeldkontrollgeräte mit einem Sprachcomputer oder eine Rollstuhlsteuerung zu einem Gesamtsystem verbunden, so dass über ein einziges Gerät sowohl kommuniziert als auch das Umfeld gesteuert und ggf. der Rollstuhl bedient werden kann.
Die Benutzung einer Umfeldkontrolle ist auch bei stark eingeschränkter Motorik möglich - schließlich ist eine Umfeldsteuerung explizit für Menschen mit starken körperlichen Einschränkungen gedacht.
Die Eingabemethoden richten sich nach den motorischen Restbewegungsmöglichkeiten, die zuverlässig und ermüdungsarm durchgeführt werden können, beispielsweise kann eine Null-Wege-Taste bei wenig Kraft oder eine
Augensteuerung bei verbleibender willkürlicher Augenkontrolle eingesetzt werden.
Für wen ist eine Umfeldsteuerung geeignet?
Ein Umfeldsteuerungssystem ist für fast alle Menschen mit starken körperlichen Einschränkungen geeignet, etwa Menschen mit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), MS (Multiple Sklerose), Schlaganfall, Muskeldystrophien, Querschnittslähmung, Zerebralparese und anderen Behinderungen,
die die klassische Bedienung von Haushaltsgeräten erschweren oder unmöglich machen.
Warum ist eine Umfeldsteuerung wichtig?
Scheinbar kleine Alltagshandlungen, wie etwa das Licht an und aus zu schalten, die Rolläden hoch- oder herunterzufahren, einen Telefonanruf anzunehmen oder den Türsummer zu betätigen, haben einen hohen Stellenwert für Autonomie und Teilhabe.
Neben wiedererlangter Autonomie und die Entlastung von Pflegenden kann ein Rufsystem zum zuverlässigen Erreichen des Pflegepersonals oder der Assistenz ein großer Sicherheitsgewinn sein.
Wie funktioniert eine Umfeldsteuerung?
Eine Umfeldsteuerung besteht üblichweise aus einem Software- und einem Hardwareteil. Die Software empfängt die Befehle, entweder über ein direktes Eingabegerät wie einen Taster, öfter jedoch über eine speziell eingerichtete Oberfläche eines Sprachcomputers.
Die Software löst dann das Signal über die Hardware der Umfeldkontrolle aus, typischerweise mittels Infrarot-Sender (IR), Funk oder WLAN.
Welche Geräte können über eine Umfeldbedienung gesteuert werden?
Je nach System können im Prinzip alle Geräte über eine Umfeldkontrolle angesteuert werden, die über eine IR-Fernbedienung, über Funk und über W-LAN kontrolliert werden können, z. B.:
- Fernseher
- Stereoanlage / Radio
- DVD / Medienplayer
- Telefon (Festnetz und Handybedienung mittels Umfeldkontrollgerät)
- Lampen (Schalten, Dimmen)
- Ventilator oder andere Haushaltsgeräte, die über eine Funksteckdose oder im Rahmen einer "smart home" - Funktion geschaltet werden können.
- Türöffner
- Elektrische Fenster / Kippsysteme
- Elektrischer Rolladen
- Markise
- Elektrische Betten / Lagerungsfunktionen (je nach Schnittstelle)
- Alarmsysteme (Hausnotruf / Personenruf / Hausruf)
Bereits vorhandenen Haushaltsgeräte wie der Fernseher können meist weitergenutzt werden. Die Umfeldkontrolle wird auf die Signale für Fernseher, Radio usw angelernt und wird damit zur Fernbedienung.
Was muß jemand können, der eine Umfeldsteuerung nutzen möchte?
Da eine Umfeldsteuerung sehr flexibel darin ist, mit welcher Bewegungsart welchen Körperteils sie angesteuert wird, ist fast immer die Bedienung möglich - sogar bei schwersten Behinderungen.
Unter anderem können folgende Bedienmethoden zur Anwendung kommen:
- Druckschalter mit geringer Auslösekraft (Handschalter, Hinterhauptschalter, Fußschalter, ...)
- Näherungsschalter, die durch Bewegung nahe der Oberfläche ausgelöst werden
- Spezialschalter, die mit einem beliebigen Körperteil ausgelöst werden können
- Mundsteuerung
- Kopfsteuerung
- Augensteuerung
- Steuerung mittels Sprachbefehle, sofern Sprachfähigkeit vorhanden
Kostenübernahme bei Umfeldsteuerungen - Was kostet eine Umfeldsteuerung?
Umfeldsteuerungen mit Einrichtung / Anpassung und Einweisung liegen üblicherweise im niedrigen vierstelligen Eurobereich.
Bei medizinischer Notwendigkeit werden die Kosten im Normalfall von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.
Nach dem Sozialgesetzbuch (SGB V, § 33) haben Versicherte Anspruch auf Versorgung mit Hilfsmitteln, die erforderlich sind, um eine Behinderung auszugleichen, und damit ein allgemeines Grundbedürfnis betreffen - sofern der Nutzen nachweisbar und das notwendige Maß nicht überschritten ist.
Zu den Grundbedürfnissen zählen unter anderem das Greifen, aber auch Schaffung eines gewissen körperlichen und geistigen Freiraums, sowie das Bedürfnis sich im Fernsehen informieren zu können, was durch eine Umfeldsteuerung gewährleistet werden kann.
Welche Umfeldsteuerung ist die richtige für mich?
Welche Umfeldsteuerung geeignet ist, entscheidet sich mehrere Umstände:
- Motorik: Welche Bewegung mit welchem Körperteil funktioniert zuverlässig und möglichst ermüdungsarm, auch bei ggf. fortschreitendem Verlauf einer Krankheit?
- Bedienwünsche und Betreuungssituation: Welche Geräte sollen mittels Umfeldbedienung gesteuert werden?
- Wahrnehmung: Bedarf es einer akustischen Menüführung (z.B. Sprechende Oberflächen bei Seheinschränkungen und Blindheit)
- Kognition: Welche Komplexität passt zu Aufmerksamkeit und Prozessverständnis des Bedienenden?
- Mobilität: Wo möchte ich die Umweltsteuerung nutzen (im Bett, im Rollstuhl, im Wohnheim, am Arbeitsplatz...?)
- Schnittstellen: Brauche ich lediglich eine Umfeldsteuerung, oder wünsche ich ein Gesamtsystem Umfeldsteuerung mit Kommunikationshilfe bzw. Rollstuhlsteuerung.
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